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Und es geschah nachts
auf der Straße
20 Jahre FLC – und
kein bißchen Leise
In der ersten Hälfte der 1980er Jahre
konnte ein gewisser Niedergang in der Frankfurter Lederszene nicht übersehen
werden. Zwar gab es zu jener Zeit nach und nach eine ganze Reihe von
Lederkneipen wie etwa „Boots“, „Camp 26“, „Eagle“ und „The Stall“, doch
gingen weder von den Kneipen noch von der damaligen organisierten Lederszene
in Frankfurt frische Impulse aus. Von den genannten Kneipen überlebte
lediglich der Stall, der für uns bis heute von Bedeutung ist. Von der
Existenz einer lebendigen Clubszene konnte in dieser Zeit nicht die Rede
sein.
In dieser Atmosphäre fand sich unter
der Federführung von Hartmut Polaschek eine Handvoll Leute, die die
Lederszene wieder etwas aufpeppen wollten, weg vom Althergebrachten, hin zu
innovativen Ideen. Logische Konsequenz war die Gründung des FLC im Jahre 1985
(wie die wenigen Gründerväter wissen: Es geschah nachts auf der einer Straße
im schwulen Bermuda-Dreieick). Der Club war zunächst nur als lose Vereinigung
gegründet worden, um der Karnickelzüchtermentalität keinen Raum zu lassen.
Dennoch gab es schon zwei Wochen nach der Gründung eine „Bindende
Clubvereinbarung“. Knappe zwei Jahre später stellte sich jedoch heraus, dass
aus rechtlichen Gründen die Konstituierung als eingetragener Verein
unumgänglich war. „Wir sind ein schwuler Club“, heißt es bis heute
selbstbewußt in der Vereinssatzung. Unserem Wissen nach war es das erste Mal,
dass das damals noch etwas anrüchige Wort „schwul“ in eine Frankfurter
Vereinssatzung Eingang fand und anstandslos vom Vereinsgericht akzeptiert
wurde. Die Eintragung erfolgte am 23. Juni 1988.
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 Die Satzung besteht lediglich aus vereinsrechtlich
absolut notwendigen Artikeln, jeglicher Firlefanz und perfektionistische
Wortklaubereien haben wir uns geschenkt, wollten wir doch nicht in die
allgemeine Vereinsmeierei starten, sondern basisdemokratisch sein. Alles
Wesentliche wird nach wie vor im Plenum besprochen. Aus den Beschlüssen der
Mitglieder ergab sich im Laufe der Jahre eine, die Satzung ergänzende,
Geschäftsordnung. Der Vorstand trifft sich zwar regelmäßig zu seinen
Sitzungen aber einsame Vorstandsentscheidungen bilden eine eher seltene
Ausnahme.
Schon 1986 richteten wir die erste
Leather Odyssey im M & S Connexion in Mannheim aus, treibende Kraft war
insbesondere unser Clubmitglied Joachim Bulla, der vielen noch in Erinnerung
sein wird. Seit 1988 bestand der besondere Reiz des Treffens vor allem in der
einmaligen Möglichkeit eines Biwaks für alle Gäste, die so ein ganzes
Wochenende ohne Hin und Her miteinander verbringen können. Die Leather
Odyssey wurde – mit einer Ausnahme - bis 1998 alljährlich in Mannheim
abgehalten. Nur 1991 fiel sie dem Marlboro-Boykott zum Opfer, der von der
Mehrheit der Clubmitglieder, nicht aber von Joachim Bulla unterstützt wurde.
Der FLC-Showtruppe gelang es bis 1997 alljährlich, das Publikum mit mehr oder
weniger geschmacklosen Darbietungen von den Sitzen zu reißen. Geleitet wurde
die Showtruppe fast ein Jahrzehnt von Christian Wanders. Seit 1999 findet die
Leather Odyssey im Rahmen des CSD in Frankfurt statt.
Dazwischen gab es gelegentlich
gemeinsame Veranstaltungen mit dem MSC Rhein-Main, Frankfurt wie etwa ab 1987
Men’s Meeting in May (MMM) oder die beiden Freundschaftstreffen mit dem
Münchener Löwenclub (MLC).
Eine schon traditionelle
Veranstaltung ist die FLC Stadtrallye, die von 1990 bis zur Einführung der
Pflegeversicherung am Buß- und Bettag stattfand. Heute findet sie an einem
Sonntag im Oktober statt. Eine noch längere Tradition hat das
FLC-Himmelfahrtskommando, der schwule Wandertag, der seit 1986 alljährlich
veranstaltet wird. Dazu haben wir mit einer langen Reihe von
Freundschaftstreffen die Kontakte zu anderen Clubs ausbauen können, weitere
Farbtupfer, die sich positiv auf die Lederszene in Frankfurt auswirken. Ein
mehr internes Ereignis ist das alljährlich stattfindende Weihnachtsessen.
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 1988 klappte die Aufnahme in die SKVdC
– Ständige Konferenz der Vertreter deutschsprachiger Clubs (heute LFC – Leder
und Fetisch Community), der Dachorganisation der deutschsprachigen
Lederclubs; 1989 folgte die Aufnahme in die ECMC, der Dachorganisation der
europäischen Clubs. Dies ging nicht ohne Anlaufschwierigkeiten, da damals
noch einige Clubs Bauchschmerzen bei dem Gedanken an zwei Frankfurter
Lederclubs hatten. Auch führte die Aussage eines unserer Mitglieder „Wir sind
neu – wir sind anders“ zu Mißverständnissen, die erst wieder ausgeräumt werden
mußten. Aber Dank der Unterstützung durch die beiden Clubs Loge 70 (Schweiz)
und Black Angels Köln hatte es dann doch geklappt. Seither hat der FLC
zweimal die LFC-Herbstsitzung ausgerichtet, nämlich im September 1990 und
1995.
Die COG (Clubs ohne Grenzen), die von
1992 bis 1997 auf dem Gelände des M & S Connexion als gemeinsame
Veranstaltung der LFC-Clubs durchgeführt wurde, geht letztlich auf eine
Anregung von Joachim Bulla zurück, der stets das Bestreben hatte, die
Lederszene zusammenzuführen und damit weiterzuentwickeln. Frank M. Müller vom
FLC fungierte als Sprecher der AG COG und konnte mit seinem Team schöne
Erfolge aufweisen, wie an stetig steigenden Besucherzahlen abzulesen war.
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Seit vielen Jahren arbeitet der FLC zudem
bei der AG HIV/Aids & Soziales der LFC mit und konnte hier wesentliche
Impulse geben. Die Treffen finden zweimal jährlich statt und werden von der
DAH für die Sozialbeauftragten der Lederclubs organisiert.
Der „Juristische Notfallkoffer“
erschien 1992 in seiner ersten Auflage. Er war das erste Nachschlagewerk
seiner Art. Neben dem Muster für einen Partnerschaftsvertrag enthielt er vor
allem Vordrucke für Vollmachten und Verfügungen im Krankheitsfalle, die bei
Bedarf einfach nur ausgefüllt werden mußten. Ergänzend enthielt er auch
hilfreiche Informationen zum Beispiel über Erben und Vererben sowie die
Nachlaßabwicklung. Die Nachfrage war so stark, dass bereits 1993 eine zweite,
überarbeitete Version vorgelegt wurde. Gerade die Vollmachten haben sich auch
innerhalb des Clubs oft bewährt. Erstellt wurde der „Notfallkoffer“ von
unserem Mitglied Wolfgang M. Weber in Zusammenarbeit mit unserem Anwalt Dr.
Stefan Herter.
Auch in der AG Finanzen der SKVdC war
der FLC vertreten. Die AG Finanzen hatte sich die Neustrukturierung der SKVdC
auf das Panier geschrieben. Aus dieser AG entstand der Idealverein
„Leder-Community e.V.“, als rechtlicher Rahmen der LFC. Wolfgang M. W.,
ebenfalls vom FLC, fungierte als deren Sprecher und später als 1.
Vorsitzender der „Leder-Community e.V.“.
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 Zur Mitgliederentwicklung der FLC ist
zu sagen, dass während der ersten sechs Jahre die magische Zahl von 25
Mitgliedern nie dauerhaft übersprungen werde konnte, trotz permanenter
Neuaufnahmen. Diesen standen nämlich erhebliche Abgänge durch den Umzug von
Mitgliedern in entfernte Städte entgegen, die damals noch automatisch aus dem
Club ausschieden. Unvermeidlich haben wir leider viele unserer Mitglieder
infolge Aids verloren. An dritter und letzter Stelle rangieren Austritte, was
für die Identifikation der Mitglieder mit ihrem Club spricht. Heute freuen
wir uns, 30 aktive Mitglieder in unseren Reihen zu haben.
Die Clubtreffen fanden zunächst im
privaten Rahmen statt, bis uns Wolf Bohn - der damalige Wirt des „Eagle“ -
den ehemaligen Dunkelraum überlies, den wir in Eigenarbeit zum Clubraum
ausbauten. Der Clubraum stand uns bis Juni 1992 zur Verfügung.
Unüberbrückbare Probleme mit dem letzten Wirt des „Eagle“ führten dann zum
Auszug aus diesen Räumlichkeiten. Vorübergehend stellte uns Eike den „Stall“
provisorisch zur Verfügung bis wir endlich im Switchboard, dem Info-Café der
AIDS-Hilfe, unterkamen. In der ersten Zeit fühlten wir uns als Gäste,
mittlerweile fühlen wir uns aber zuhause.
Der FLC begnügte sich nie damit, sein privates Ledersüpplein zu
kochen, sondern pflegte stets den Kontakt zu anderen schwul-lesbischen
Gruppen in Frankfurt. So sind wir selbstverständlich Mitglied in der
Emanzipation e.V., einem der Trägervereine des Lesbisch-Schwulen Kulturhauses
und der AIDS-Hilfe Frankfurt. Daneben haben wir eine Reihe gemeinsamer
Veranstaltungen und Workshops mit der AIDS-Hilfe Frankfurt durchgeführt. Auch
konnten FLC-Mitglieder Positiventreffen in Hessen und Rheinland-Pfalz durch
Workshops mitgestalten. Ferner nehmen wir am Runden Tisch des hessischen
Lesben- und Schwulenguppen im Hessischen Sozialministerium teil. Kontakte zum
größten schwulen Verein, dem Frankfurter Volleyball Verein, gibt es seit
Etablierung der Positivensportgruppe, die auf Initiative unseres Mitglieds
Uwe Meier (Henne Bertha) entstand oder aber auch bei benötigten
Privatquartieren. Beim Christopher-Street-Day und sonstigen schwulen Festen
sind wir regelmäßig vertreten.
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  Auf der 20. AGM der ECMC im Oktober
1994 in Stockholm wurde ein Infoblatt verteilt, in dem es um die Verfolgung
von Lederschwulen in England, dem so genannten „Spanner Fall“ ging. Dieses
Infomaterial und die Schilderungen unserer Delegierten, die in Stockholm
einige der Betroffenen kennen gelernt hatten, veranlaßten die Mitglieder zum
Handeln. Denn was hier, Mitten in Europa, passiert war, war so unfaßbar und
hätte trotzdem auch in Deutschland passieren können. Das Jahr 1995 wurde zum
offiziellen „Countdown on Spanner“ Jahr erklärt und das ganze Jahr über wurde
bei allen Gelegenheiten Spenden gesammelt, die Helfen sollten, den
angestrebten Prozeß vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu
finanzieren. Höhepunkt dieser Aktionen war das Freundschaftstreffen mit
Midland Link MSC im Juli in Frankfurt. Das Midland Link Mitglied, Tony Brown,
war einer der Männer, die in England verurteilt worden waren. Tony war bis zu
seinem Tode im Jahr 2002 Ehrenmitglied des FLC und „Patrone of Honour“ der
ECMC. Insgesamt erbrachte die Spendensammlung einen Erlös von DM 6.200,00,
die an den Spanner Trust überwiesen wurden. Am 19. Februar 1997 urteilte der
Europäische Gerichtshof, dass die Menschenrechtskonvention nicht verletzt
worden wäre.
Die FLC-Post, von 1986
bis 2000 das Clubinfo, hatte sich über die Jahre zum auflagenstärksten Clubinfo
in der Republik gemausert und erschien in gnadenloser Regelmäßigkeit alle
zwei Monate. Aber auch hier mußten wir erkennen, dass sich die Zeiten
geändert haben und andere Medien, allen voran das Internet, Einzug in die
schwule Kultur gehalten hatten. Logische Konsequenz war, das Club-Info
einzustellen.
 Einhergehend mit diesen Veränderungen
mußte sich der Club auch einer weiteren Herausforderung stellen: dem Wandel
der Lederszene generell. Mitte der 1990er Jahre begann sich die Lederszene –
wie die Schwulenszene überhaupt - rapide zu verändern. Die Akzeptanz in der
Gesellschaft nahm zu und das kommerzielle Angebot wuchs. Ledertreffen waren
also nicht mehr die einzige Möglichkeit, um unter Gleichgesinnten zu sein
bzw. um seinen Fetisch auszuleben. Zudem prägten sich neue Fetische aus.
Beispielhaft sei hier nur Army, Skin und Sportswear genannt. Der FLC erkannte
diesen Trendwechsel von der Lederszene zur Fetischszene schnell und reagierte
entsprechend. Das Spektrum der Fetische auf der jährlichen Leather Odyssey
wurde erweitert, neue Fetischpartys, die nur einem bestimmten Fetisch
vorbehalten sind wie zum Beispiel Sportswear oder Skin wurden etabliert. Ein
Spagat, der nicht ganz einfach war und den Vorstand forderte. Galt es doch
das richtige Gleichgewicht zwischen Tradition und Gegenwart zu finden. Denn
eines stand von Anfang fest, der Wandel muß von allen Mitgliedern,
insbesondere von den „Altmitgliedern“ getragen werden, damit niemand seine
Heimat im Club verliert. Eine vom Vorstand angedachte Namensänderung in „FLFC
– Frankfurter Leder und Fetisch Club“ wurde von der Mehrheit der Mitglieder
abgelehnt. Hauptargument der Mitglieder war: „Einen Markennamen ändert man
nicht ohne Not“. So steht das Wort „Leder“ im Clubnamen heute als Synonym für
alle Fetischrichtungen denn auch hier gilt unsere Devise: Stillstand ist
Rückschritt – und den wollen wir nicht.
Die Veränderungen in der immer
schnellebigeren Szene haben aber auch gezeigt, dass schwule Leder- und
Fetischclubs nach wie vor eine Existenzberechtigung haben. Denn gerade die
Clubs erbringen für ihre Mitglieder eine Vielzahl von Leistungen, die die
kommerzielle Szene weder leisten kann noch leisten will. Genannt seien hier
nur die Hilfe im Krankheitsfall, finanzielle Unterstützung in Notsituationen
oder auch nach wie vor die Funktion als Ersatzfamilie. Nicht zuletzt auch
unter diesem Aspekt schauen wir positiv in die Zukunft und freuen uns auf die
nächsten 20 Jahre in der und mit der schwulen Community.
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